Vor 30 Jahren hat mir mein bester Kumpel Dirk, der leider viel zu früh verstorben ist, eine CD von „Arsch Huh, Zäng ussenander“ in die Hand gedrückt. Heute habe ich selbst das Bedürfnis und den Wunsch endlich einmal live vor Ort dabei zu sein. Damals standen 100.000 Kölner auf und erhoben ihre Stimme für die Freiheit und gegen Rassismus! Einerseits schade, dass es das Event noch immer gibt, andererseits heutzutage wieder wichtiger denn je! Knapp 17.000 Kölner kamen am 10.11.2022 in der Lanxess-Arena zusammen und mehr als 35 Künstler zeigten Solidarität und Gemeinschaft. 

Aufgrund vieler Besucher hat man die Einlasszeit auf 18 Uhr vorgezogen und auch wenn es draußen schon ziemlich kalt war, traf man sich vor der Arena um Meinungen auszutauschen und viele kleine Organisationen verteilten ihre Flyer und Botschaften. In der Arena erwartete uns eine zentrale Bühne im Innenraums, damit die Künstler mittendrin ihre Auftritte performen können. Leider ist dieser Plan nicht aufgegangen, denn mehr als die Hälfte der Besucher sahen die Acts nur von hinten oder blickten gar auf einen Wand voller Verstärker und technischem Equipment. So musste man zwangsläufig die schönen Auftritte über den Videowürfel über der Bühne verfolgen. 

Das Konzert

Wer Köln kennt, der kennt die wundervolle Heimatverbundenheit und keine Stadt der Welt wird so oft besungen und hat seine so eigene Musikrichtung. Viele heimische Bands sind hier Superstars und eine von ihnen beginnt nach einer kurzen Ansage des Organisators Hermann Rheindorf und den beiden Moderatorinnen Shary Reeves und Anja Backhaus. Let´s go „Cat Ballou“!

Das Publikum ist direkt da und feiert den Song „“Mamm“. Es folgen weitere Künstler und schließlich soll es einen ersten Redebeitrag von Kerstin Klein (1. Bevollmächtigte der IG Metall Köln-Leverkusen) geben. Schade, denn sie ist nicht da und so steigen „Miljö“ mit „Mol di Veedel bunt“ direkt ein.  Gefolgt von „Eldorado“, freuen sich dann alle auf einen Mann erster Stunde: Wolfgang Niedecken mit „Niedeckens BAP“. Da sie aber aktuell bei einem anderen Konzert in Leipzig touren, war nur eine Liveschalte möglich. Sie performen den Event-Titelsong „Arsch Huh, Zäng ussenander“ aus dem Jahr 1992.

Übrigens tauchte Frau Klein dann doch noch auf, schob die Verspätung auf den Veranstalter und gab einige Dinge zu Besten, die aus meiner Sicht auf dieser Veranstaltung rein gar nichts zu suchen haben. Vielleicht hätte sie besser wegbleiben sollen… 

Ein sichtlich nervöser Purple Schulz betrat die Bühne mit einem sehr ausgefallenen Instrument. Doch es wird weiter legendär in der Arena, denn Kölns echtes Original Jürgen Zeltinger mit seiner Band lässt es sich nicht nehmen, hier dabei zu sein und Björn Heuser präsentiert den Song „Minsche“. Die Stimmung ist gut, wird aber dann durch die Beer Bitches mit der großartigen Carolin Kebekus noch einmal gesteigert. Die Besucher feiern den Song „Einer för all“ und singen aus voller Kehle mit. Der emotionalste Auftritt des Abends gehörte aber der Künstlerin Navid Kermani mit ihrem iranischen Freiheitslied „Baraya“. 

Es folgte eine tolle Rede von Autor Frank Schätzing und Auftritte von Arno Steffen, „Erdmöbel“, der Moderatorin Shary Reeves mit „D´Reeves & Friends“ und anderen. Mittlerweile war es spät geworden und leider konnte diese letzte halbe Stunde die bis dahin gute Stimmung in der Halle nicht aufrecht halten. Es fehlten die ganz großen Kölner Stars, die dann aber direkt nacheinander die Bühne wieder erleuchten konnten. Die „Bläck Fööss“ mit dem neuen Song „E lewwe donoh“, „Höhner“ mit „Wann jeit dr Himmel widder op“ und natürlich „Brings“ mit „Liebe gewinnt“ bringen die noch verbliebenen Gäste zum Mitsingen und feiern. Nach einem Auftritt der „Paveier“ und Eko Fresh mit seinem Vater, der einst Mitbegründer der „Arsch hu“-Bewegung war, folgte das Finale der Veranstaltung mit „Kasalla“ und „Querbeet“. Zum Schluss traten die Protagonisten noch einmal gemeinsam auf die Bühne! Ein großer Moment für Köln und ein würdiges Finale!

Es folgte eine tolle Rede von Autor Frank Schätzing und Auftritte von Arno Steffen, „Erdmöbel“, der Moderatorin Shary Reeves mit „D´Reeves & Friends“ und anderen. Mittlerweile war es spät geworden und leider konnte diese letzte halbe Stunde die bis dahin gute Stimmung in der Halle nicht aufrecht halten. Es fehlten die großen Stars, die dann aber direkt nacheinander die Bühne wieder erleuchten konnten. Die „Bläck Fööss“ mit dem neuen Song „E lewwe donoh“, „Höhner“ mit „Wann jeit dr Himmel“ und natürlich „Brings“ mit „Liebe gewinnt“ bringen die noch verbliebenen Gäste zum Mitsingen und feiern. Nach einem Auftritt der „Paveier“ und Eko Fresh mit deinem Vater, der einst Mitbegründer der „Arsch hu“-Bewegung war, folgte das Finale der Veranstaltung mit „Kasalla“ und „Querbeet“. Zum Schluss traten die Star noch einmal gemeinsam auf die Bühne! Ein großer Moment für Köln!

Die Moderatoren

Shary Reeves ist eine Künstlerlegende und auch als Moderatorin bereits in der TV-Welt etabliert. Die Tochter eines kenianischen Professors und einer Mutter aus Tansania kam von New York nach Köln und absolvierte hier ihre schulische Ausbildung. Als „4 Reeves“ hatte sie mit ihren Geschwistern in den 90er Jahren große Erfolge. An ihrer Seite steht Anke Backhaus, die insbesondere als Moderatorin im WDR und mit der Sendung „Wohnen nach Wunsch – Das Haus“ bei VOX bekannt wurde. Sie überbrückten die kleinen Umbaupausen und hatten einige Hintergrundinformationen zum Event. Während Shary Reeves das Publikum gut bei Laune hielt, hätte ich auf Anja Backhaus gut verzichten können. Manche Situationen und Einwürfe waren eher peinlich als passend.  Zum Glück ist das Kölner Publikum nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen.

setliste
  1. Cat Ballou – „Mamm“
  2. Charly Klauser – „Was in aller Welt“
  3. Zass – „Eruß op de Strooß“
  4. Müller & Band: „Zusammeston“
  5. Miljö – „Mol de Veedel bunt“
  6. Eldorado – „Minsche“
  7. Arsch Huh Band – „Si läuf dat he“
  8. Liveschalte – Niedeckens BAP – „Arsch huh, Zäng ussenander“
  9. Wortbeitrag: Joanna Peprah
  10. Purple Schulz – „(Viel zu wenig) Zeit“
  11. Wortbeitrag: Kerstin Schulz (IG Metall Köln/Leverkusen)
  12. Zeltinger Band – „Erfunge und Jelore“
  13. Björn Heuser – „Minsche“
  14. Videobeitrag: Fortuna Ehrenfeld mit dem „Gruß aus Moers“
  15. Beer Bitches – „Einer för All“
  16. A. Schweitzer & R. Lammers – „Treibgut“
  17. Cool Muul feat. Microphone Mafia – Edelweißpirate
  18. Wortbeitrag: Ludwig Sebus
  19. Negah Amiri, Sogand und Navid Kermani – „Baraye“ – iranisches Freiheitslied
  20. Wortbeitrag: Frank Schätzing
  21. Hannes Schöner – „Mir wulle all dat selve“
  22. Arno Steffen, Juri Rother , Elke Schlimbach – Jivv mer ding Hand“
  23. Erdmöbel – „Wir sind nicht das Volk“
  24. Wortbeitrag: Pfarrer Meurer
  25. Videobeitrag: Linda und R. Kippe mit „Alles verlore“
  26. AG Arsch Huh Band – „Alles verlore“
  27. Shary Reeves, D´Reeves & Friends – Songtitel unbekannt
  28. Biggi Wanninger – „Schunkeln ist Scheisse“
  29. Bläck Fööss – „E Lewwe donoh“
  30. Höhner – „Wann jeiht dr Himmel widder op“
  31. Paveier – „Heimat es“
  32. Eko Fresh mit Nedim Hazar – „Quotentürke“
  33. Kasalla – Jröne Papajeije“
  34. Querbeet – „Allein“
  35. Alle Protagonisten – „Arsch huh Zäng unssenander“

Fazit:

Die Veranstaltung kurz vor dem Auftakt der offiziellen Karnevalssession am 11.11. ist nicht nur wichtig, sondern eine Tradition die Köln mal von einer anderen Seite zeigt! Wir Kölner sind da und wir hören zu… Wir Kölner helfen, wenn man uns braucht – und zwar seit mehr als 30 Jahren oder vermutlich noch viel länger. Alle Künstler haben passende Songs ausgewählt, doch durch viel Melancholie war manchmal auch die Stimmung im Publikum sehr gedrückt! Wenn es um Themen wie die Unterdrückung der Frauen im Iran geht, ist das auch durchaus angebracht. Bei Inhalten wie Kampf dem Rassismus und für die Freiheit und Gleichberechtigung empfinde ich es allerdings auch als Pflicht dem Hass mit Fröhlichkeit entgegen zu treten und nicht nur den Arsch hu, sondern auch den Kopf hu zu halten. Diese positive Energie fehlte mir zwischendurch einfach und viele Besucher verließen vorzeitig die Arena. Ich vermute, ihnen ging es ähnlich! Dennoch ist es einfach wichtig sich zu zeigen und ich unterstütze die Botschaften und Aussagen der Künstlerkollegen von ganzem Herzen, insbesondere „LIEBE GEWINNT“!